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Freitag, 10. Februar 2012

Niedergang der Kultur

Der Niedergang der Bücherkultur und das Aussterben des Buchhandels kommen auf uns zu, glaubt man den Aussagen verschiedener Partei- und Interessenvertreter zur anstehenden Abstimmung, bei der es um die Wiedereinführung der Buchpreisbindung geht.
Wer halbwegs liberales Gedankengut pflegt, dem müssen sich ob mancher Aussagen die Nackenhaare sträuben. Seitens SP werden die Gegner der Vorlage als "Markt-Fetischsten" bezeichnet. Nun gut, die SP will ja bekanntlich auch den Kapitalismus abschaffen. Wenn sich jedoch ein Liberaler wie FDP-Nationalrat Feller für fixe Buchpreise mit einem markigen "Diktatur des Beststellers" stark macht, habe ich schon meine Bedenken. CVP-Nationalrat de Buman findet, man "verschaffe der Buchbranche lediglich die Möglichkeit, nach eigenen Richtlinien zu funktionieren." Lieber Herr Nationalrat, eine schöne Umschreibung für ein Kartell - so nennt man es nämlich, wenn eine Branche die Preise abspricht und den Wettbewerb verhindert. Ein Gewerkschaftsvertreter versteigt sich gar zur Behauptung, dass ohne die Buchpreisbindung ein Viertel der Arbeitsplätze im Buchhandel bedroht sei. Randbemerkung: die Buchpreisbindung wurde in der Schweiz bereits 2007 per Gerichtsentscheid aufgehoben. Ich habe da jetzt keine Fakten und könnte mir schon vorstellen, dass das zu einer punktuellen Bereinigung in der Branche geführt hat - aber jetzt nach bald fünf Jahren soll es 25 Prozent der Jobs gefährden? Ich wage mich jetzt mal aufs Eis und behaupte, das sei eher etwas weit hergeholt.
Ganz entzückend finde ich die Naivität (oder Unverfrorenheit?), mit der manche Supporter der Wiedereinführung behaupten, der ausländische Internethandel sei von der Buchpreisbindung selbstverständlich nicht ausgenommen. Ich lach mich weg: die Schweiz will Amazon und Co. vorschreiben, zu welchem Preis sie Kunden in der Schweiz beliefern dürfen und unser Zoll kontrolliert das auch noch? Ja klar, und Kühe können fliegen. Ich sehe das exakt so, wie es von den Gegner der Buchpreisbindung angekündigt wird: nach einer allfälligen Wiedereinführung werden die ausländischen Internethändler und die Buchdiscounter nahe der Grenze begeistert in die Hände klatschen und mit Freude hiesige Kunden mit den Beststellern versorgen. Denn eines muss man sich mal vor Augen halten: es kann sich auch heute - ohne Buchpreisbindung - durchaus lohnen, ein etwas teureres Buch oder zwei und mehr Produkte z.B. über Amazon zu kaufen. Was ich für meinen Teil seit 2007 fast nie mehr gemacht habe, da die Quelle meiner Wahl (Ex Libris) preislich eigentlich recht konkurrenzfähig ist und ich das Geld lieber in der Schweiz lasse. Wenn der Preisunterschied wieder grösser wird, werde ich mir recht genau überlegen, wohin mein sauer verdientes Geld fliesst. Und das hat wohlgemerkt nichts mit fehlender Solidarität gegenüber einheimischen Unternehmen zu tun. Dies unterstütze ich gerne und oft, solange das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt. Aber ein Buch ist nun mal ein Buch und wenn ich keine Beratung will, zahle ich nicht einen Drittel oder die Hälfte mehr für die gleiche Ware.
Wie man aus diesem Post leicht herauslesen kann, bin ich ein vehementer Gegner der Buchpreisbindung. Und zwar aus einem recht trivialen Grund: ich fühle mich als Durchschnitts-Buchkonsument nicht so ganz ernst genommen. Ja, ich kaufe mir primär die Beststeller und interessiere mich keinen Deut für irgendwelche künstlerisch wertvolle Nischenliteratur (nein, ich schaue auch keine Studiofilme sondern lieber Blockbuster). Dem Erfolg der Grossen in der Buchbranche nach zu urteilen - z.B. Ex Libris, Amazon - stehe ich da auch nicht ganz quer in der Landschaft, sondern verhalte mich wahrscheinlich wie der weitaus grösste Teil der Konsumenten. Ergo trifft es mich und sehr viele andere BuchleserInnen ganz direkt im Portemonnaie, wenn die Populärliteratur, die wir nun mal gerne lesen, teurer wird. Nicht nur das: mich ärgert, dass ein Grossteil der Kundschaft mehr Geld ausgeben muss, um einem weitaus kleineren Teil der Kunden einen günstigeren Zugang zu Büchern zu verschaffen, die es nicht auf die offenbar verpönte Beststeller-Liste schaffen. Die Verlage und Buchhändler können ihre Produkte ja nach Belieben quersubventionieren, aber bitte nicht mit meinem Geld.
Von meiner Seite gibt's am 11. März jedenfalls ein glasklares "Nein" in die Urne.

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